Gut für's Hirn: die Agora Akademie

Agora Akademie

Warum machen wir nicht nur ein Wirtschaftsunternehmen, das konsumierbare Kultur und gewinnbringende Gemeinschaftsdienstleistungen anbietet, sondern legen Wert auf einen Bildungsaspekt? Vor allen Dingen, weil wir glauben, dass die Zeit reif dafür ist und entsprechend ein Bedürfnis existiert; weil Menschen den Finger in die Wunde gelegt haben möchten und sich besser auseinandersetzen wollen mit ihrer Umwelt, im Job, in der Familie aber auch in der Demokratie. Ohne diesen masochistischen Zug, die Nadel im Fleisch der Nie-genug-Optimierten, lassen sich zum Beispiel die Fitness-Phänomene „Boot Camp“ oder „Personal Training“ (für Max Mustermann, nicht für Angelina Jolie) gar nicht erklären.

Konkret gesprochen: die meisten möchten nicht, dass in Deutschland ein „Trumpeltier“ an die Staatsspitze kommt, verhalten sich politisch und sozial aber wie ein Vogel Strauß. Die Befähigung zur Perspektivenübernahme, eine Entwicklung von Mitgefühl und Verantwortung, geleitet von universellen Werten und Vernunft, basierend auf Fakten und Informiertheit, sind unseres Erachtens geeignete Gegenmaßnahmen.

Wir sind der Meinung, dass die Schule bzw. der Staat nicht (mehr) ausreichend zu einem kritischen Bewusstsein erziehen – zu einer Fähigkeit einen reflektierten Standpunkt einzunehmen, zu verteidigen oder auch zu hinterfragen. Eine analoge Entwicklung sehen wir auch im Gesundheitswesen. Die Krankenfürsorge war über die Versicherung, Approbation von Ärzten, uvm. im Wesentlichen staatlich geprägt. Seit sich Krankenkassen auch „Gesundheitskassen“ nennen und die Prävention vor Krankheit, Sucht und Wahn zu einer eigenen Verrücktheit avanciert, entstehen im Kielwasser der Selbstoptimierungsideologie ökonomische Betriebe, die sich der Gesunderhaltung widmen (Fitnessstudios, Yogakurse, Autogenes Training,…), die vorher andere, meist spezifischere Funktionen hatten.

Wenn der Staat sich stärker auf kompetenzorientiertes Humankapital, statt auf informierte Staatsbürger (die man eigentlich bräuchte, damit der Souverän auch souverän wählen kann) konzentriert, werden auch im Bereich der Bildung Segmente für private Unternehmen wie Projekt Agora frei.

Die Agora Akademie stellen wir uns nicht als einzelnen Inhalt, sondern als übergreifenden Aspekt vor. Das heißt, aus den Mietern im Co-Working-Space kann sich ein Vortrag über eine neue Technologie entwickeln, von dem mehrere auf der Agora profitieren können. Im Seniorengarten werden unter Umständen Techniken an die jüngere Generation weitergegeben. Es ist aber auch vorstellbar, dass sich eine Arbeitsgruppe aus Schülern oder Studenten zusammenfindet und für einen bestimmten Themenmonat das Kino-Programm erstellt und sich deshalb mit einer Epoche oder einem Sachverhalt intensiv auseinandersetzen muss. Auch bei konkreten Events soll dem Vergnügen oft auch ein Wissen beigestellt werden, z.B. beim gemeinsamen Kochen mit einer Lebensmittelexpertin oder einem Foodsaver 1 Eine sehr interessante Variante, Essen und Gemeinschaft zu erfahren, ist die Schnippeldisco von Slow Food Youth. Dort werden unverkäufliche Lebensmittel gemeinsam vorbereitet und gekocht. Währenddessen hört man Musik, zu der man anfangs schnippeln und später zappeln kann..

Ein Teil der Agora Akademie können aber auch (Aus-)Bildungsmaßnahmen sein, von denen die lokale Wirtschaft profitieren kann. Beispielsweise ist vorstellbar, dass Kellnerseminare oder Schulungen für den lokalen Einzelhandel angeboten werden. 2 Letzere beziehen sich nicht nur auf die Fortbildung von Verkäufern, sondern auch von Geschäftsführern, die  durch den Online-Handel und eine Veränderung ihrer Zielgruppen durch den demographischen Wandel und (Arbeits-)Migration vor Herausforderungen gestellt werden, auf die sie im Alltagsgeschäft oft keine adäquaten Lösungen erarbeiten können.

Die Agora Akademie setzt sich also nicht nur für die persönliche Entwicklung und Bildung der Gemeindemitglieder ein, sondern hat auch ein veritables Interesse an lokalem wirtschaftlichem Fortschritt. Einige Angebote werden auch von Miri und Simon selbst gestaltet werden, um die Erfahrungen aus Studium, Beruf, Familie, Kunst und Kultur weiterzugeben.


Beitragsbild: © Gresei / fotolia

Anmerkungen   [ + ]

1. Eine sehr interessante Variante, Essen und Gemeinschaft zu erfahren, ist die Schnippeldisco von Slow Food Youth. Dort werden unverkäufliche Lebensmittel gemeinsam vorbereitet und gekocht. Währenddessen hört man Musik, zu der man anfangs schnippeln und später zappeln kann.
2. Letzere beziehen sich nicht nur auf die Fortbildung von Verkäufern, sondern auch von Geschäftsführern, die  durch den Online-Handel und eine Veränderung ihrer Zielgruppen durch den demographischen Wandel und (Arbeits-)Migration vor Herausforderungen gestellt werden, auf die sie im Alltagsgeschäft oft keine adäquaten Lösungen erarbeiten können.